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Tracking Difference bei ETFs: Warum die günstigere TER nicht immer besser ist

Veröffentlicht: 29.06.2026

Die Kosten eines ETFs spielen eine wichtige Rolle, wie man an mehreren Stellen in meinem Guide lesen kann. Logisch: Je weniger du zahlst, desto mehr Rendite bleibt dir. Aber wer nur auf die TER schaut, sieht nur die halbe Wahrheit.

Was ist die TER?

Die TER (Total Expense Ratio) gibt die laufenden Kosten eines ETFs pro Jahr in Prozent des investierten Vermögens an. Wenn du 10’000 CHF investiert hast, betragen die Kosten bei einer TER von 0.2% also 20 CHF pro Jahr. Die TER wird nicht separat in Rechnung gestellt, sondern täglich anteilig direkt vom Fondsvermögen abgezogen – du merkst es also nicht direkt, aber sie wirkt sich auf deine Rendite aus in Form eines leicht reduzierten Kurses.

Warum die TER nicht die ganze Geschichte erzählt

Ein ETF hat neben den in der TER enthaltenen Kosten noch weitere Einnahmen und Ausgaben, die sich auf die tatsächliche Performance auswirken.

Einerseits entstehen beim Kauf und Verkauf von Wertpapieren Transaktionskosten, die nicht in der TER enthalten sind. Diese werden zwar ebenfalls im KID ausgewiesen, sind aber eine Schätzung. Die tatsächlich angefallenen Kosten hängen davon ab, wie oft der Fonds die zugrundeliegenden Aktien handeln muss. Auch arbeiten ETFs oft mit dem optimierten Sampling. Das heisst, sie kaufen nicht alle Firmen, die im Index wären, sondern eine repräsentative Auswahl. Beispielsweise könnten Firmen weggelassen werden, die nur 0.0001% Anteil hätten und praktisch nichts zur Kursentwicklung beitragen würden. Somit ist das Rebalancing für den Fonds einfacher.

Andererseits können ETFs zusätzliche Einnahmen generieren: Zum Beispiel durch Wertpapierleihe, bei der der Fonds Aktien temporär an andere Marktteilnehmer verleiht (z.B. an Leerverkäufer) und dafür eine Gebühr kassiert. Diese Einnahmen fliessen ins Fondsvermögen und können die Kosten teilweise oder sogar vollständig kompensieren.

Das Resultat: Ein ETF mit höherer TER kann unter dem Strich günstiger sein als einer mit tieferer TER.

Was ist die Tracking Difference?

Genau hier kommt die Tracking Difference (TD) ins Spiel. Sie misst, wie genau ein ETF seinen Referenzindex abgebildet hat – mit allen Kosten und Einnahmen eingerechnet.
Konkret: Die Tracking Difference ist die Differenz zwischen der Rendite des ETFs und der Rendite seines Index über einen bestimmten Zeitraum.

  • Tracking Difference von –0.05%: Der ETF hat seinen Index um 0.05% übertroffen.
  • Tracking Difference von +0.20%: Der ETF lag 0.20% hinter seinem Index.

Eine negative Tracking Difference ist also positiv für dich als Anleger: Der ETF hat mehr geliefert als der Index versprochen hat. Das klingt paradox, ist aber möglich, wenn zum Beispiel die Einnahmen aus der Wertpapierleihe die laufenden Kosten übersteigen.

Wo findest du die Tracking Difference?

Es gibt Websites wie extraetf.com oder trackingdifferences.com, die die TD vieler ETFs sammeln. Ich schaue jedoch gerne direkt bei der Quelle nach: Im Factsheet des ETFs. Es wird monatlich aktualisiert und führt die Performance des ETFs sowie des Referenzindex über verschiedene Zeitspannen auf. Daraus kannst du die TD ableiten.

So gehst du vor:

  1. Suche nach dem ETF auf der Website des Anbieters oder auf JustETF.
  2. Öffne das aktuelle Factsheet (PDF).
  3. Navigiere zum Abschnitt «Wertentwicklung» oder «Performance».
  4. Vergleiche die Rendite des Fonds mit der Rendite des Referenzindex.

Hinweis: Wenn du zwei ETFs miteinander vergleichst, achte darauf, dass beide Factsheets aktuell sind, also die Zahlen des vergangenen Monats enthalten.

Beispiel: iShares MSCI ACWI vs. SPDR MSCI ACWI

Schauen wir uns zwei beliebte MSCI ACWI ETFs an: den iShares MSCI ACWI mit einer TER von 0.20% und den SPDR MSCI ACWI mit einer TER von 0.12%. Beide bilden genau denselben Index ab. Auf dem Papier sollte der SPDR günstiger sein – 0.08 Prozentpunkte Unterschied pro Jahr. Aber was sagen die aktuellen Factsheets?

Im laufenden Jahr 2026 zeigt der iShares eine Fondsperformance von 12.17% gegenüber seinem Index von 12.15%. Der ETF hat seinen Index also leicht übertroffen. Der SPDR kommt im gleichen Zeitraum auf 12.10%, während der Index natürlich ebenfalls bei 12.15% liegt.

Mit anderen Worten: Der vermeintlich teurere iShares hat im laufenden Jahr den vermeintlich günstigeren SPDR übertroffen.

Was bedeutet das für dich?

Meine Kernaussage: Lass dich nicht verrückt machen wegen ein paar Basispunkten TER und fang einfach an zu investieren. Globale ETFs von etablierten Anbietern wie iShares, SPDR, Xtrackers oder Vanguard sind alle gut – die Unterschiede in der Praxis sind minimal und ändern sich von Monat zu Monat und Jahr zu Jahr.

Wenn ein günstiger ETF für dich gut verfügbar ist, ist das super. Wenn nur ein minimal teurerer ETF verfügbar ist, schau mal die Tracking Difference an. Vielleicht ist der ETF gar nicht so teuer, wie er auf dem Papier aussieht – oder umgekehrt.

Jo Frischknecht, Autor von ETF Schweiz

Hi, ich bin Jo, Autor von ETFSchweiz.ch

Ich helfe dir, stressfrei mit ETFs zu investieren – perfekt, wenn du von der Börse profitieren willst, aber nichts mit Aktienanalysen zu tun haben möchtest. Als Privatanleger teile ich auf ETFSchweiz.ch, was ich über Jahre beim Investieren gelernt habe. Folge mir auch auf Instagram: @etfschweiz.ch