Veröffentlicht: 04.05.2026
Im April 2026 hat Xtrackers einen neuen ETF auf den FTSE All-World lanciert, der nun neben den Produkten von Vanguard und Invesco eine dritte Option bietet. Genug Grund, sie direkt zu vergleichen: Was sind die Unterschiede, und welcher passt für Schweizer Investor:innen?
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient nur der Information und spiegelt meine persönliche Meinung wider.
Was ist der FTSE All-World?
Der FTSE All-World ist ein Aktienindex. Er enthält rund 4’260 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländer. Der Index bildet also die Kombination aus dem FTSE Developed World und dem FTSE Emerging Markets. Das deckt ca. 90% des investierbaren Weltmarkts ab. Beim Index-Herausgeber MSCI heissen die entsprechenden Indizes MSCI World und MSCI Emerging Markets. Die Kombination nennt sich dort MSCI All-Country World Index (ACWI).
Die drei ETFs auf einen Blick
Neben Xtrackers bieten auch Vanguard und Invesco einen ETF auf den FTSE All-World an. Die nachfolgende Tabelle verwendet die thesaurierenden Varianten.
| Vanguard | Invesco | Xtrackers | |
|---|---|---|---|
| ISIN | IE00BK5BQT80 | IE000716YHJ7 | IE000L6ZMMC4 |
| Auflagedatum | 23. Juli 2019 | 26. Juni 2023 | 8. April 2026 |
| Anzahl Positionen | 3’771 | 2’321 | 1’688 |
| TER | 0.19% | 0.15% | 0.12% |
| Interne Transaktionskosten gemäss KID | 0.03% | 0.02% | 0.03% |
| Tracking Difference 2025 | +0.06 | +0.09 | keine Daten |
| Fondsdomizil | Irland | Irland | Irland |
| Ertragsverwendung | Beide | Beide | Thesaurierend |
| Fondsgrösse | 33 Mia CHF | 2.5 Mia CHF | 15 Mio CHF |
| Replikation | Physisch | Physisch | Physisch |
| Stempelsteuer bei Schweizer Brokern | 0.15% | 0.15% | 0.15% |
Stand: 4.5.2026. Quelle: Factsheet bzw. Website des jeweiligen ETFs
Kosten: TER ist nicht alles – das KID verrät mehr
Die TER ist gut fürs Marketing: Günstige ETFs sind beliebt, ETF-Aggregierungs-Seiten wie justETF zeigen sie prominent an. Deshalb lohnt sich immer ein Blick ins KID (Key Information Document): Dort werden oft zusätzliche interne Transaktionskosten ausgewiesen. Diese entstehen, wenn der ETF zugrundeliegende Aktien handelt. Alle drei ETFs auf den FTSE All-World haben zusätzliche Transaktionskosten. Beim Xtrackers beispielsweise rechne ich mit total 0.15% jährlichen Kosten.
Tracking Difference: Der ehrlichste Kostenvergleich
Aber auch die im KID aufgeführten Kosten sind nur Schätzungen. Die effektiven Kosten siehst du immer erst im Nachhinein, und zwar anhand der Tracking Difference (TD). Sie zeigt den Performance-Unterschied zwischen dem ETF (nach Kosten) und dem zugrundeliegenden Index. Hat der ETF beispielsweise +10% Rendite erwirtschaftet, aber die Entwicklung des Index ist bei +10.2%, ergibt das eine TD von +0.2%.
ETFs können mit der Wertpapierleihe zusätzliche Erträge generieren. Diese fliessen ins Fondsvermögen. Es ist also nicht gesagt, dass ein ETF immer schlechter performt als sein Index: Ein ETF kann auch besser abschneiden. Deshalb ist auch nicht garantiert, dass ein günstiger ETF immer besser performt als ein teurerer.
Die Tracking Difference findest du im Factsheet des ETFs (jährlich oder für den vergangenen Monat) oder auf Websites wie extraetf.com oder trackingdifferences.com (meinst nur jährlich oder durchschnittlich). Für den jungen Xtrackers können noch keine Angaben gemacht werden. Vanguard und Invesco haben 2025 etwas schlechter performt als der Index, beide haben jedoch einen Teil ihrer Kosten kompensiert. Vanguard war sogar gemäss Tracking Difference etwas günstiger als Invesco (0.06% vs. 0.09%), obwohl er auf dem Papier höhere laufende Kosten ausgewiesen hat.
Ein neuer ETF: Was das bedeutet
Der ETF von Xtrackers ist gerade mal einen Monat alt. Aber was bedeutet das in der Praxis?
- Das Fondsvermögen ist noch sehr klein. Das bedeutet, dass der ETF noch nicht so viele Mittel hat, zugrundeliegende Aktien zu kaufen. Das sieht man in den Anzahl Positionen: Vanguard und Invesco enthalten deutlich mehr Positionen. Die fehlenden Titel sind jedoch in der Regel sehr kleine Positionen mit minimalem Einfluss auf die Wertentwicklung. Die Diversifikation ist also bei allen drei Produkten gut.
- Der ETF hat noch keine Vergangenheit. Es muss sich zuerst herausstellen, wie gut der ETF seinen Index trackt. Da Xtrackers aber ein etablierter Anbieter ist, dürfte dies kein Problem sein.
- Auch kein Problem dürfte das Risiko zur Schliessung des ETFs sein. ETFs werden manchmal geschlossen, wenn das Fondsvolumen keine rentable Grösse erreicht. Dies betrifft in der Regel jedoch eher Themen-ETFs oder sonstige Nischenprodukte. Bei einem Welt-ETF, der zugleich auch noch der günstigste seines Index‘ im europäischen Raum ist, dürfte das Fondsvolumen schnell wachsen. Um eine Schliessung würde ich mir persönlich keine Sorgen machen.
- Das Handelsvolumen bzw. die Liquidität ist bei einem neuen ETF noch nicht so gross. Dies führt an der Börse zu grösseren Spreads, also der Differenz zwischen dem Kaufs- und Verkaufspreis. Für langfristige Buy&Hold-Anlegende düfte dies jedoch nicht so relevant sein.
Besonderheiten für Schweizer Anleger:innen
- Das irische Domizil bei allen drei ETFs ist vorteilhaft für die US-Quellensteuer auf Dividenden (15% statt 30%). Da alle drei ETFs im Ausland domiziliert sind, gilt bei Schweizer Brokern für alle die gleiche Stempelsteuer von 0.15% pro Transaktion.
- Alle drei ETFs sind an den Schweizer Börsen in CHF handelbar.
- Bei den Schweizer Brokern sind die ETFs von Vanguard und Invesco meist gut verfügbar. Der neue ETF von Xtrackers ist bei der Saxo Bank beispielsweise noch nicht handelbar (Stand 4. Mai 2026). Bei neon hingegen findest du den Xtrackers im kostenlosen Sparplan.
Fazit: Welcher ETF passt zu dir?
Alle drei ETFs sind solide Optionen. Der Xtrackers ist noch neu, deshalb können noch keine Angaben zur tatsächlichen Performance gemacht werden. Da er auf dem Papier der günstigste ist und Xtrackers (DWS) ein grosser und etablierter Anbieter von ETFs ist, dürfte er aber trotzdem eine sichere Wahl sein. Ich würde den ETF nehmen, der bei meinem Broker am einfachsten verfügbar ist. Wer neu einsteigt, kann ruhig Xtrackers wählen wenn verfügbar. Wer bereits Vanguard oder Invesco hat, muss nicht wechseln. Langfristig ist die Wahl des genauen ETFs sowieso sekundär: Viel wichtiger ist, überhaupt mit dem Investieren anzufangen – egal mit welchem All-World-ETF.