Veröffentlicht: 16.04.2026
Zuletzt aktualisiert: 17.04.2026
Wer sich mit ETFs beschäftigt, stösst früher oder später auf den VT – den Vanguard Total World Stock ETF. Er investiert in über 10’000 Unternehmen weltweit inkl. Small Caps und gilt als einer der breitesten und günstigsten ETFs überhaupt.
Was auffällt: Es gibt ihn nur in einer ausschüttenden Variante. Eine thesaurierende Version, bei der Dividenden automatisch reinvestiert werden, sucht man vergeblich. Das verwundert viele Anlegende – schliesslich ist die thesaurierende Version bei europäischen ETFs längst Standard und für langfristiges Wachstum die effizientere Wahl.
Der Grund liegt im US-Steuerrecht
Der VT ist in den USA domiziliert und an der New Yorker Börse kotiert. Das bedeutet: Er unterliegt amerikanischem Steuerrecht.
In den USA gibt es eine besondere Regelung für Investmentfonds – den sogenannten Regulated Investment Company Status (kurz: RIC-Status). Fonds, die diesen Status erfüllen, zahlen auf Fondsebene keine Gewinnsteuer. Das klingt vorteilhaft, und das ist es auch – aber die Bedingung lautet: Der Fonds muss mindestens 90% seiner Erträge jährlich an die Anleger ausschütten.
Behält ein Fonds Erträge ein, verliert er diesen Steuervorteil und zahlt stattdessen 21% US-Gewinnsteuer auf die einbehaltenen Beträge. Das macht eine thesaurierende Variante für US-Fonds wirtschaftlich unattraktiv – deshalb schüttet jeder US-ETF seine Erträge aus. Das ist also eine direkte Konsequenz des amerikanischen Steuersystems.
Was bedeutet das für Schweizer Anleger?
Wenn du in der Schweiz lebst, hast du mit US-domizilierten ETFs weiterhin den Vorteil, dass du die US-Quellensteuer auf die Dividendenzahlungen zurückfordern kannst. Bei ETFs mit Domizil Irland, was in Europa der de-fakto-Standard ist, ist das nicht möglich und du verlierst 15% der US-Dividenden.
Der Wermutstropfen bei US-domizilierten Fonds ist also, dass es diese nur in ausschüttenden Varianten gibt – hinzu kommt, dass US-domizilierte ETFs im Erbfall zusätzlichen administrativen Aufwand bedeuten können. Möchtest du lieber einen thesaurierenden ETF und zudem auf US-Bürokratie verzichten, musst du auf eine europäische Version ausweichen. Du hast dann den Quellensteuerverlust, musst dafür die Dividenden nicht manuell reinvestieren.
Fazit
Dass der VT nur ausschüttend existiert, hat einen einfachen Grund: Das US-Steuerrecht macht Thesaurierung für amerikanische Fonds so teuer, dass es schlicht keiner macht. Wer in der Schweiz einen thesaurierenden Welt-ETF sucht, findet genügend UCITS-Varianten mit ähnlich breiter Diversifikation. Mehr dazu: Der beste All-World-ETF