Veröffentlicht: 19.03.2026
Der Blick ins Depot kann manchmal wehtun. Der Kurs ist gefallen, die Zahlen sind rot, und irgendwo im Hinterkopf meldet sich eine Stimme: «Vielleicht sollte ich jetzt verkaufen, bevor es noch schlimmer wird.»
Diese Stimme ist menschlich, aber sie kostet dich Geld.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient nur der Information und spiegelt meine persönliche Meinung wider.
Warum wir im Absturz verkaufen wollen
Verluste fühlen sich schlecht an. Und zwar überproportional schlecht: Die Verhaltenspsychologie nennt das Verlustaversion. Ein Verlust von 1’000 Franken schmerzt deutlich stärker als eine Rendite von 1’000 Franken Freude bereitet. Das ist keine Schwäche, sondern menschliche Natur.
Das Problem: An der Börse führt dieses Gefühl zu einem klassischen Fehler. Man verkauft genau dann, wenn man eigentlich halten sollte – oder noch besser: nachkaufen sollte.
Was ein Panikverkauf wirklich kostet
Wenn du jemanden sagen hörst «Ich habe Geld an der Börse verloren», dann ist fast immer dasselbe passiert: Die Person hat im Tief verkauft. Denn Verluste entstehen nicht, wenn der Kurs fällt. Verluste entstehen, wenn du zu einem tieferen Preis verkaufst, als du durchschnittlich gekauft hast.
Schauen wir uns ein konkretes Beispiel an.
MSCI ACWI 2025 – zwei Investoren, ein Unterschied
Beide investieren im Januar 10’000 CHF in denselben ETF. Im April brechen die Kurse ein – minus 20%, ausgelöst durch die Trump-Zölle. Investor A bleibt investiert. Investor B verliert die Nerven und verkauft alles, in der Angst, dass alles noch weiter sinken könnte. Auf -50% wie in den Finanzkrisen 2000 oder 2008.

Investor B sitzt im April auf knapp 8’000 Franken Cash und wartet darauf, dass sich die Lage beruhigt. Die Kurse steigen aber relativ schnell wieder, und im Juni fühlt es sich wieder sicherer an – er steigt wieder ein. Aber der Kurs steht jetzt schon wieder bei 77 Franken. Er hat bei 65 verkauft und kauft bei 77 zurück. Rund 19% teurer.
Ende Jahr sieht die Rechnung so aus:
- Investor A (durchgehalten):
CHF 10’704 – plus 7% - Investor B (Panikverkauf):
CHF 8’979 – minus 10%
Unterschied Vermögen: CHF 1’725
Beide haben dieselbe Krise erlebt. Der Schaden entsteht nicht durch den Kurssturz, sondern durch den Verkauf im falschen Moment und den verpassten Wiedereinstieg.
Wann es tatsächlich sinnvoll ist zu verkaufen
Nicht jeder Verkauf ist ein Fehler. Es gibt Situationen, in denen ein Verkauf richtig ist:
- Du brauchst das Geld kurzfristig. ETF-Investitionen gehören aber ins langfristige Vermögen – nicht in den Notfallfonds und nicht für kurzfristige Ausgaben. Wer noch in der Aufbauphase ist und trotzdem verkaufen muss, sollte seine Planung überprüfen (Notgroschen). Wer bereits in der Pension ist und Kapital entnimmt, handelt hingegen planmässig – das ist kein Panikverkauf, sondern Strategie und unglückliches Timing. Daher ist hier die Pensionsplanung und die passende Entnahmestrategie wichtig.
- Deine Strategie war von Anfang an falsch. Wer in riskante Themen-ETFs oder Einzelaktien investiert ist und merkt, dass das nicht zu seinen Zielen passt, kann umschichten – vielleicht in einen breit gestreuten Welt-ETF. Wichtig dabei: investiert bleiben, nicht verkaufen und dann mal abwarten.
- Rebalancing. Wenn eine Position in deinem Portfolio durch starkes Wachstum übergewichtet ist, kann ein teilweiser Verkauf zur Wiederherstellung der ursprünglichen Gewichtung sinnvoll sein. Das ist Strategie, kein Panik.
Was kein guter Grund ist: Angst, schlechte Schlagzeilen oder das Gefühl, dass es «diesmal anders» ist.
Handlungsempfehlungen im Crash
Was also tun, wenn die Zahlen rot sind? Hier die wichtigsten Grundsätze:
- Ruhe bewahren: Nicht aus Angst oder Panik handeln. Gefühle sind schlechte Anlageberater. Das Chart herauszoomen und schauen, was historisch passiert ist. Oft sieht man: Der Rücksetzer ist klein, und bisher hat sich der Markt nach jeder Krise wieder erholt.
- Investiert bleiben: Die besten Börsentage kommen oft kurz nach den schlechtesten. Wer sie verpasst, weil er draussen wartet, mindert seine langfristige Rendite erheblich.
- Antizyklisch denken: Ein Crash ist kein Grund zur Panik – sondern eine Rabatt-Aktion. Wer die Mittel hat, kann günstig nachkaufen und seinen Durchschnittspreis senken.
- Portfolio überprüfen: Nur verkaufen, wenn du das Geld tatsächlich brauchst oder die ursprüngliche Strategie grundlegend falsch war – nicht weil der Markt rot ist.
- Breit diversifiziert bleiben: Ein Welt-ETF wie der MSCI ACWI oder der FTSE All-World streut das Risiko über tausende Unternehmen weltweit. Einzelne Einbrüche werden durch die breite Streuung abgefedert. Wer weiter diversifizieren will, kann zusätzlich in andere Anlageklassen wie Gold investieren – das ist aber ein separates Thema.
- Aktienanteil überprüfen: Wer bei einem Rücksetzer von 20% schlecht schläft oder den Impuls hat zu verkaufen, hat möglicherweise zu viel Risiko im Portfolio. Das ist kein Versagen – es ist eine wichtige Erkenntnis, denn 100% Aktien ist nicht für alle das Richtige. Ein tieferer Aktienanteil mit einem Obligationen- oder Geldmarkt-ETF kann helfen, ruhiger zu bleiben und Panikverkäufe zu vermeiden.
Fazit
Ein Verkauf kurz vor einer Erholung ist einer der teuersten Fehler, den du als Anleger machen kannst – und einer der vermeidbarsten. Der Markt hat sich bisher nach jedem Einbruch erholt. Die einzigen, die davon nicht profitiert haben, waren jene, die vorher verkauft hatten.
Hier noch mein Reel zum Thema: