Veröffentlicht: 17.09.2026
Oft hört man im Zusammenhang mit ETFs den Begriff «Small Caps»: Beispielsweise, dass der FTSE All-World keine Small Caps enthalte. Aber was sind Small Caps eigentlich genau?
Was ist die Marktkapitalisierung?
Bevor wir zu den Small Caps kommen, müssen wir wissen, was die Marktkapitalisierung ist. Sie beschreibt den Börsenwert eines Unternehmens und berechnet sich denkbar einfach: Anzahl der im Umlauf befindlichen Aktien multipliziert mit dem aktuellen Kurs einer Aktie.
Das ergibt für jede Firma einen Betrag. Zählst du die Marktkapitalisierung aller Firmen eines Landes zusammen, erhältst du die gesamte Marktkapitalisierung dieses Landes.
Large-, Mid- und Small Caps
Sortierst du alle Firmen eines Landes nach ihrer Marktkapitalisierung absteigend, kann man irgendwo eine Linie ziehen und sagen: Alle Firmen unterhalb dieser Linie sind verhältnismässig klein, das sind Small Caps. Verschiedene Indexanbieter wie MSCI oder FTSE ziehen die Grenze leicht unterschiedlich. Vereinheitlicht gesagt gelten Firmen, die die unteren 10-15% der gesamten Marktkapitalisierung eines Landes ausmachen, als Small Caps. Large- und Mid-Caps zusammen machen die oberen rund 85-90% aus.
Jetzt macht auch der Begriff «Small Cap» Sinn: Er steht ganz einfach für «Small Capitalization», also «geringe (Markt-)kapitalisierung». Gemeint sind damit Firmen mit einem kleineren Börsenwert.
Solltest du Small Caps in deinem Portfolio haben?
Historisch gesehen haben Small Caps über sehr lange Zeiträume tendenziell besser abgeschnitten als der breitere Markt. Der MSCI World Small Cap Index erzielte seit Ende 2000 eine annualisierte Rendite von rund 9.27%, während der MSCI World Index im gleichen Zeitraum auf eine annualisierte Nettorendite von 7.46% kam (in USD, Quelle: Curvo)
Für mich ist dabei aber wichtig, dieses Bild nicht unkritisch zu übernehmen: Schaut man nur auf die letzten zehn Jahre, kehrt sich das Verhältnis tatsächlich um. Der MSCI World kam in diesem Zeitraum auf eine annualisierte Nettorendite von 13.01%, während der MSCI World Small Cap Index nur auf 10.80% kam (Quelle: MSCI Factsheets, Stand August 2026). Grund dafür war vor allem, dass wenige grosse Tech-Werte den Gesamtmarkt in den letzten Jahren überdurchschnittlich stark getrieben haben.
Für mich zeigt das: Die Small-Cap-Prämie ist kein Naturgesetz, das jederzeit zuverlässig eintritt. Trotzdem finde ich, dass man bei solchen Vergleichen einen möglichst langen Zeithorizont beiziehen sollte, weil kurzfristige Phasen stark von einzelnen Marktführern geprägt sein können. Wichtig ist einfach, sich bewusst zu sein, dass sich die Reihenfolge je nach betrachtetem Zeitraum verändern kann. Was die Small Caps aber auf jeden Fall ins Portfolio bringen, ist Diversifikation.
Risiken von Small Caps
Die höheren historischen Renditechancen von Small Caps kommen nicht ohne Preis. Kleinere Unternehmen sind tendenziell volatiler als grosse, etablierte Konzerne: Ihre Aktienkurse schwanken stärker, sowohl nach oben als auch nach unten.
Dazu kommt eine geringere Liquidität. Bei kleineren Firmen wird weniger gehandelt, was in turbulenten Marktphasen zu grösseren Kursausschlägen führen kann. Small Caps reagieren ausserdem oft empfindlicher auf wirtschaftliche Abschwünge, weil ihnen häufig die finanziellen Reserven grosser Konzerne fehlen, um Krisen auszusitzen.
Für dich bedeutet das: Mehr Small-Cap-Gewichtung kann potenziell mehr Rendite bringen, aber auch mehr Schwankung im Portfolio. Ob sich das für dich lohnt, hängt von deinem Anlagehorizont und deiner Risikofähigkeit ab.
Welche ETFs enthalten Small Caps?
Viele bekannte «All-World»-ETFs, etwa auf den FTSE All-World, enthalten trotz ihres Namens keine Small Caps. Wenn dir eine möglichst vollständige Marktabdeckung wichtig ist, lohnt sich ein Blick auf folgende Varianten:
- MSCI ACWI IMI: Das «IMI» steht für «Investable Market Index» und schliesst Large-, Mid- und Small Caps ein.
- «FTSE Global All Cap»-ETFs: Diese Bezeichnung weist explizit darauf hin, dass die gesamte Marktkapitalisierung abgedeckt wird, inklusive Small Caps.
- Reine Small-Cap-ETFs: Willst du gezielt in Small Caps investieren oder eine bestehende All-World-Position ergänzen, gibt es dedizierte ETFs, die ausschliesslich den Small-Cap-Bereich abbilden.
Häufige Fragen zu Small Caps
Performen Small Caps besser als Large Caps?
Über sehr lange Zeiträume (z. B. seit 2000) haben Small Caps historisch tendenziell etwas besser abgeschnitten als der breitere Markt. In den letzten 10 Jahren hat sich das Bild jedoch umgekehrt: Grosse Unternehmen, allen voran Tech-Werte, haben den Markt getrieben und Small Caps hinter sich gelassen. Die sogenannte Small-Cap-Prämie ist also kein verlässliches Muster, das in jeder Marktphase zutrifft.
Sind Small Caps riskanter als Large Caps?
Ja, tendenziell. Small Caps sind volatiler und weniger liquide als grosse, etablierte Unternehmen. Das zeigt sich vor allem in Krisenzeiten mit teils stärkeren Kursrückgängen.
Wie viel Prozent Small Caps sollte ein Portfolio enthalten?
Das lässt sich nicht pauschal beantworten und hängt von deiner persönlichen Risikofähigkeit ab. Orientierung kann die natürliche Marktgewichtung bieten: In einem global gewichteten Index wie dem MSCI ACWI IMI machen Small Caps rund 10-15 % aus.
Enthält der FTSE All-World Small Caps?
Nein, der FTSE All-World deckt Large- und Mid-Caps ab, aber keine Small Caps. Wer diese mitabdecken will, braucht einen zusätzlichen ETF oder einen Index wie den FTSE Global All Cap.
Fazit
Small Caps sind die kleineren, oft übersehenen Unternehmen am Rand des Aktienmarkts. Viele beliebte All-World-ETFs lassen sie aussen vor, obwohl sie historisch über lange Zeiträume zur Rendite beigetragen haben, wenn auch nicht in jeder Marktphase. Ob du sie gezielt in dein Portfolio holst, ist letztlich eine Frage deiner persönlichen Strategie und Risikobereitschaft.
In meinem ETF-Finder kannst du direkt nach Small-Cap-ETFs filtern und findest so schnell passende Bausteine für dein Portfolio.