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Fractional Shares: Vorteile und Nachteile im Überblick

Veröffentlicht: 05.02.2026
Zuletzt aktualisiert: 19.02.2026

Teure Einzelaktien waren lange Zeit nur mit grösserem Kapital zugänglich. Lindt & Sprüngli für 115’000 Franken, Givaudan für 3’000 Franken oder auch ein ETF wie der iShares S&P 500 für über 500 Franken bleiben für viele Anleger ausser Reichweite. Fractional Shares – also Bruchstücke von Aktien – sollen diese Hürde beseitigen.

Was sind Fractional Shares?

Fractional Shares ermöglichen den Kauf von Bruchteilen einer Aktie oder eines ETFs. Statt einen ganzen ETF-Anteil für 500 Franken zu kaufen, können Anleger beispielsweise 0,2 Anteile für 100 Franken erwerben.

In der Schweiz bieten aktuell hauptsächlich Yuh und Swissquote Fractional Trading an. Die Funktion ist besonders bei Sparplänen relevant, wo jeden Monat ein fixer Betrag investiert wird – unabhängig vom aktuellen Aktienkurs.

Die Vorteile

  • Niedrige Einstiegshürde: Bei Yuh beispielsweise ist der Einstieg bereits ab 25 Franken möglich. Dies erleichtert den Zugang zu teuren Einzelaktien.
  • Diversifikation: Anleger können ihr Kapital auf mehrere Positionen verteilen, ohne hohe Einzelbeträge investieren zu müssen.
  • Sparpläne: Fixe monatliche Beträge können automatisch investiert werden – unabhängig vom aktuellen Kurs.
  • Flexibilität: Kleinere Investitionen in hochpreisige Aktien sind möglich, ohne erst grössere Summen ansparen zu müssen.

Die Nachteile

  • Eingeschränkte Stimmrechte: Besitzer von Fractional Shares haben in der Regel keine Stimmrechte an Hauptversammlungen. Für aktive Mitbestimmung sind ganze Aktien erforderlich.
  • Keine Übertragbarkeit: Fractional Shares lassen sich meist nicht zu anderen Brokern übertragen. Bei einem Wechsel müssen die Bruchteile verkauft und beim neuen Anbieter neu gekauft werden – was Kosten und eine temporäre Marktabwesenheit bedeutet.
  • Liquidität: Bei geringer Nachfrage kann der Verkauf von Fractional Shares länger dauern als bei ganzen Aktien.

Sondervermögen vs. Konkursmasse

Ein wichtiger Aspekt bei Fractional Shares ist die Frage, was bei einer Broker-Insolvenz passiert.

Ganze Aktien und ETFs gelten als Sondervermögen und werden im Insolvenzfall aus der Konkursmasse abgesondert. Gemäss Art. 37d BankG müssen sie den Kunden zurückgegeben werden.

Fractional Shares sind rechtlich kein eigenständiges Wertpapier an der Börse, sondern Bruchteile, die der Broker intern verwaltet. Broker wie Yuh oder Swissquote regeln in ihren Verträgen, dass diese Bruchteile als treuhänderisch verwaltetes Kunden‑Vermögen gelten und damit im Insolvenzfalle grundsätzlich getrennt behandelt werden sollen. Das ist jedoch keine gesetzliche Pflicht, sondern hängt von der konkreten Depot‑/Verwahrungsstruktur ab. Ganze Aktien können hingegen tatsächlich als eigenes Sondervermögen im Depot liegen und bei Broker‑Insolvenz direkt übertragen werden, was bei Fractional Shares meist nicht möglich ist.

Der FlowBank-Fall

Beim Konkurs der FlowBank im Juni 2024 zeigte sich ein praktisches Problem mit Fractional Shares: Während ganze, physisch gehaltene Wertpapiere später auf andere Depots übertragen werden konnten, konnten Fractional Shares nicht transferiert werden und mussten im Rahmen der Abwicklung verkauft werden, was Anleger zeitweise aus dem Markt nahm. Das lag nicht an einer gesetzlichen Regel, sondern an der Depot‑/Abwicklungsstruktur der Fractional‑Beteiligungen bei FlowBank. Eine detaillierte Analyse des Falls findest du bei The Poor Swiss.

Konsequenz: Trotz rechtlichem Schutz können bei Fractional Shares praktische Herausforderungen in der Abwicklung entstehen, da sie nicht als eigenständige Wertpapiere an der Börse handelbar sind.

Fazit

Fractional Shares bieten niedrige Einstiegshürden und ermöglichen Diversifikation mit kleinem Kapital. Gleichzeitig bestehen Einschränkungen bei Stimmrechten, Übertragbarkeit und im Insolvenzfall.

Zentrale Überlegungen:

  • Für breit diversifizierte Portfolios bieten ETFs eine Alternative ohne die spezifischen Risiken von Fractional Shares. Der Stückpreis wird bei ETFs oft bewusst tief gehalten. Sollte ein Anteil zu teuer werden, kann ein ETF‑Split den Stückpreis senken, um die Zugänglichkeit zu erhöhen. Beim Invesco S&P 500 UCITS ETF wurde ein 100:1‑Split beschlossen, der am 15. Dezember 2025 in Kraft trat. Dabei erhöht sich die Anzahl der Anteile um den Faktor 100, während sich der Nettoinventarwert (NAV) pro Anteil entsprechend um den gleichen Faktor reduziert – der Gesamtwert bleibt unverändert (Quelle)
  • Ganze Aktien vermeiden die Übertragungsproblematik. Bei Swissquote werden Fractional Shares automatisch in ganze Aktien umgewandelt, sobald mehr als ein ganzer Anteil vorhanden ist.
  • Broker-Diversifikation reduziert das Risiko längerer Marktabwesenheit im Insolvenzfall.
  • Anlagehorizont beachten: Bei kurzfristigem Liquiditätsbedarf können die eingeschränkten Übertragungsmöglichkeiten problematisch sein.

Die Entscheidung für oder gegen Fractional Shares hängt von den individuellen Bedürfnissen und der Risikobereitschaft ab. Der FlowBank-Fall zeigt, dass im Insolvenzfall praktische Unterschiede zu ganzen Aktien bestehen können.

Jo - ETF Schweiz

Hi, ich bin Jo, Autor von ETFSchweiz.ch

Ich helfe dir, stressfrei mit ETFs zu investieren – perfekt, wenn du von der Börse profitieren willst, aber nichts mit Aktienanalysen zu tun haben möchtest. Als Privatanleger teile ich auf ETFSchweiz.ch, was ich über Jahre beim Investieren gelernt habe. Folge mir auch auf Instagram: @etfschweiz.ch