Skip to content

5 häufige Anfängerfehler bei ETFs (und wie du sie vermeidest)

Veröffentlicht: 07.02.2026
Zuletzt aktualisiert: 18.02.2026

ETF-Investieren ist eigentlich simpel: Einen breit gestreuten ETF aussuchen, regelmässig Geld einzahlen, langfristig liegen lassen. Fertig.

Warum scheitern trotzdem so viele Anfänger? Weil wir es komplizierter machen, als es sein müsste. Wir suchen nach dem perfekten Timing, dem perfekten ETF, der perfekten Strategie – und verzetteln uns dabei in Details, die am Ende kaum einen Unterschied machen.

In diesem Artikel schauen wir uns die fünf häufigsten Fehler an, die fast alle ETF-Anfänger machen (ich selbst bin auch nicht ganz unschuldig). Das Gute: Sie alle haben dieselbe Ursache – und dieselbe Lösung.

Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient nur der Information und spiegelt meine persönliche Meinung wider.

1. Zu viele ETFs im Portfolio

Das Problem: Viele Anfänger denken, dass man mit mehr ETFs automatisch besser diversifiziert ist. Also kaufen sie einen MSCI World, dazu noch einen Emerging Markets, einen Europa-ETF, vielleicht noch US-Tech und dann noch einen Schweiz-ETF «zur Sicherheit». Am Ende hat man 5-7 Positionen im Depot – und ist trotzdem nicht breiter aufgestellt als mit einem einzigen All-World-ETF.

Warum das problematisch ist:

  • Mehr Positionen = mehr Komplexität beim Rebalancing
  • Höhere Transaktionskosten durch mehrere Käufe
  • Überschneidungen: Ein MSCI World und ein Europa-ETF halten teilweise dieselben Aktien
  • Du verzerrst am Schluss die Gewichtung nach Marktkapitalisierung und bist schlechter diversifiziert

Die Lösung: Ein global gestreuter ETF reicht für die allermeisten Anleger völlig aus. Du bekommst damit bereits hunderte oder tausende Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Das ist echte Diversifikation: Die Gewichtung der Firmen und Länder innerhalb des ETFs passt sich automatisch dem Markt an, du musst nichts tun.

Ausnahme: Du hast einen spezifischen Grund für eine Abweichung. Aber dann solltest du genau erklären können, warum.

2. FOMO bei Trend-, Sektor- und Hebel-ETFs

Das Problem: Der Tech-Sektor läuft gerade super? Es gibt einen KI-ETF! Wasserstoff ist die Zukunft? Gibt’s auch als ETF! Bitcoin steigt? Schnell noch einen Krypto-ETF dazu! Diese Versuchung kennen wir alle – FOMO (Fear of Missing Out) ist der natürliche Feind jeder langfristigen Strategie.

Warum das problematisch ist:

  • Du versuchst, den Markt zu timen – und das funktioniert meistens nicht
  • Sektorwetten sind Spekulation, keine Diversifikation
  • Wenn alle über einen Trend reden, ist er oft schon im Kurs eingepreist (oder anders gesagt: es ist schon zu spät, um noch einzusteigen)
  • Du investierst in Produkte, die du nicht verstehst
  • z.B. Hebel-ETFs sind komplexe Produkte, die für Anfänger oder langfristiges Investieren ungeeignet sind

Die Lösung: Bleib beim «langweiligen» Weltmarkt-ETF. Der enthält bereits die Tech-Giganten, Pharmaunternehmen, Finanzdienstleister – alles drin. Wenn KI wirklich die Zukunft ist, werden die entsprechenden Unternehmen auch in diesem ETF steigen. Du musst nicht darauf wetten, welcher Sektor gewinnt. Und wenn doch, dann nur mit einem kleinen Anteil deines Portfolios (Core-Satellite).

Realitätscheck: Erinnere dich an die Dotcom-Blase 2000, den Hype um Solarenergie 2008 oder Cannabis-Aktien 2018. Trends kommen und gehen – der Gesamtmarkt bleibt.

3. Panikverkäufe bei Kurseinbrüchen

Das Problem: Dein Depot steht bei -15%. Die Nachrichten sind voll mit Krisenmeldungen. Alle reden von Rezession. Der emotionale Impuls: «Raus hier, bevor es noch schlimmer wird!» Also verkaufst du – und realisierst damit deinen Verlust.

Warum das problematisch ist:

  • Du verkaufst zum schlechtesten Zeitpunkt (niedrige Kurse)
  • Historisch gesehen hat sich der Markt nach jedem Crash erholt
  • Du verpasst den Aufschwung, weil du nicht mehr investiert bist
  • Der grösste Schaden entsteht nicht durch den Crash selbst, sondern durch die Panikreaktion

Die Lösung: Mach einfach nichts. Oder noch besser: Investiere weiter wie bisher. Ein Sparplan kauft bei niedrigen Kursen automatisch mehr Anteile – das ist gut für deine langfristige Rendite.

Historische Perspektive: Der Weltmarkt ist durch die Dot-Com-Blase, die Finanzkrise 2008 und Corona gegangen und hat teilweise 50% eingebüsst. Und steht heute trotzdem höher als je zuvor. Wer durchgehalten hat, wurde belohnt. Wer verkauft hat, hat viel verloren.

Wichtig: Das gilt für breit gestreute ETFs. Bei Einzelaktien oder Sektor-ETFs kann das anders aussehen – ein weiterer Grund, bei einfachen Welt-ETFs zu bleiben.

4. Ständig den ETF wechseln

Das Problem: Du liest irgendwo, dass ein anderer ETF 0,05% weniger TER hat. Oder dass ein anderer Anbieter besser sein soll. Also verkaufst du deinen bisherigen ETF und kaufst den neuen. Drei Monate später das Gleiche von vorn.

Warum das problematisch ist:

  • Jeder Verkauf und Kauf kostet Gebühren
  • Du verlierst Zeit mit der Suche nach dem «perfekten» ETF
  • Die Unterschiede zwischen guten ETFs sind marginal – der Zeitpunkt, wann du anfängst, ist viel wichtiger
  • Du riskierst, dass du zwischen Verkauf und Kauf nicht investiert bist und Kursgewinne verpasst

Die Lösung: Such dir einen soliden ETF aus und bleib dabei. Die Unterschiede zwischen diesen ETFs sind minimal – ob du jetzt 0,07%, 0,12% oder 0,2% TER zahlst, macht langfristig weniger aus als der Zinseszinseffekt, den du durch frühes Anfangen gewinnst.

Ausnahme: Du hast beim ersten ETF-Kauf wirklich einen suboptimalen ETF erwischt. Dann ist ein einmaliger Wechsel sinnvoll – gerade, wenn du noch in den ersten Jahren stehst und sich der Betrag in Grenzen hält. Aber danach sollte Ruhe sein.

5. Auf den perfekten Einstiegszeitpunkt warten

Das Problem: Der Markt steht im Allzeithoch. «Jetzt einsteigen? Das ist doch viel zu teuer! Ich warte auf den nächsten Crash.» Wochen, Monate, Jahre vergehen – der Markt steigt weiter, und du stehst immer noch an der Seitenlinie.

Warum das problematisch ist:

  • Der Markt steht statistisch gesehen sehr oft auf oder nahe am Allzeithoch (sonst wäre es kein langfristig steigender Markt)
  • Du kannst nicht vorhersagen, wann der nächste Crash kommt – und ob die Kurse dann niedriger sind als heute
  • Market-Timing funktioniert selbst für Profis nicht zuverlässig

Die Lösung: Fang einfach an. Wenn du eine grössere Summe investieren willst und dich unwohl fühlst, alles auf einmal zu investieren, dann mach einen gestaffelten Einstieg über 6-12 Monate (Dollar-Cost-Averaging, DCA). Aber warte nicht auf den «perfekten» Moment – den gibt’s nämlich nicht.

Die Zahlen: Studien zeigen: «Time in the market beats timing the market.» Selbst der schlechteste Investor (der immer exakt am Höhepunkt vor einem Crash eingestiegen ist) hat langfristig Geld verdient – weil er investiert geblieben ist.

Fazit: Einfach ist besser

Was alle fünf Fehler gemeinsam haben? Sie alle entstehen, weil wir es komplizierter machen möchten, als es sein müsste. Wir suchen nach dem Optimum, nach dem perfekten Plan, nach der besten Strategie – und verzetteln uns dabei in Details, die am Ende kaum einen Unterschied machen.

Die gute Nachricht: ETF-Investieren ist wirklich einfach, wenn du es zulässt.

Die drei Grundregeln:

  1. Wähle einen breit gestreuten ETF
  2. Investiere regelmässig, unabhängig vom aktuellen Kurs (am besten per Sparplan)
  3. Lass es liegen – auch wenn’s mal runtergeht

Das war’s. Keine Tricks, keine Geheimtipps, keine komplexen Strategien. Einfach anfangen, dranbleiben, abwarten.

Der Unterschied zwischen einem guten und einem perfekten ETF? Vielleicht 0,1% Rendite pro Jahr. Der Unterschied zwischen 10 Jahren Investieren und 9 Jahren Investieren, weil du noch auf den perfekten Moment wartest? Potenziell Zehntausende Franken.

Also: Mach es nicht kompliziert. Mach es einfach.

Jo - ETF Schweiz

Hi, ich bin Jo, Autor von ETFSchweiz.ch

Ich helfe dir, stressfrei mit ETFs zu investieren – perfekt, wenn du von der Börse profitieren willst, aber nichts mit Aktienanalysen zu tun haben möchtest. Als Privatanleger teile ich auf ETFSchweiz.ch, was ich über Jahre beim Investieren gelernt habe. Folge mir auch auf Instagram: @etfschweiz.ch