Veröffentlicht: 12.09.2025
Zuletzt aktualisiert: 18.02.2026
Du siehst ETFs mit «hedged CHF» oder «CHF hedged» im Namen und fragst dich, was das bedeutet? Hier erfährst du, wie Währungshedging funktioniert, was es kostet und warum es meist nicht nötig ist.
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient nur der Information und spiegelt meine persönliche Meinung wider.
Was bedeutet Hedged bei ETF?
Hedging bedeutet Absicherung – in diesem Fall gegen Währungsschwankungen. Ein währungsgehedgter ETF versucht, das Wechselkursrisiko zwischen der ETF-Währung und deiner Heimatwährung zu eliminieren.
Das Problem ohne Hedging
Du kaufst einen US-ETF für CHF 10’000. Die enthaltenen Aktien steigen um 10% (in USD) – super! Aber gleichzeitig fällt der USD um 5% gegenüber dem CHF. In deinem Depot siehst du am Ende nur ~4.5% Plus in CHF. Der schwache Dollar hat dir die Hälfte deines Gewinns «geklaut».
Warum? Weil der Wert deines ETFs von zwei Faktoren abhängt:
- Die Aktienkurse (in USD bzw. der Währung der Firmen)
- Der Wechselkurs zu CHF
Die Lösung: Hedged ETF
Ein währungsgehedgter ETF eliminiert das Wechselkursrisiko durch den Einsatz von Termingeschäften. Praktisches Beispiel:
- Du kaufst einen hedged ETF für CHF 10’000
- Der ETF-Kurs steigt um 10%
- Du hast jetzt CHF 11’000 in deinem Depot
Egal was der Dollar macht – dein Wert schwankt nur noch mit den Aktienkursen, nicht mehr mit dem Wechselkurs Das klingt perfekt, oder? Aber: Hedging hat seinen Preis – und der ist oft höher als gedacht.
Wie funktioniert Währungshedging?
Der ETF-Anbieter nutzt Termingeschäfte, um das Währungsrisiko laufend zu neutralisieren.
- Der ETF kauft US-Aktien (z.B. Apple, Microsoft)
- Gleichzeitig verkauft er USD auf Termin gegen CHF
- Diese Termingeschäfte werden regelmässig erneuert (meist alle 1-3 Monate)
Vereinfachtes Beispiel:
- ETF kauft heute USD für CHF 0.80
- Vereinbart gleichzeitig: «In 3 Monaten tausche ich diese USD zu einem vorher festgelegten Kurs in CHF»
- Dieser Forward-Kurs ist meist etwas schlechter als der heutige Kurs: Genau hier entstehen die Hedging-Kosten.
- Der Wechselkurs ist damit «gefixt» – egal ob der USD danach auf 0.75 oder 0.85 steht.
Die Kosten des Hedging
Und hier kommt der Haken: Hedging kostet Geld – und zwar deutlich mehr als die meisten denken. Die Hauptkosten stehen nicht in der TER und sind für Anlegende kaum transparent.
Sichtbare Kosten (in der TER):
Der Verwaltungsaufwand für das Hedging widerspiegelt sich in der meist 0.1-0.3% höheren TER als bei der ungehedgten Version.
Versteckte Kosten (nicht in der TER):
Die eigentlichen Kosten des Hedging ergeben sich etwa aus der Zinsdifferenz zwischen CHF und der Basiswährung des ETFs. Wir gehen mal von USD aus.
- Berechnung: SOFR (USD) – SARON (CHF) = Hedging-Kosten
- Historischer Durchschnitt (1976-2022): 2,7% pro Jahr (Quelle: Swisscanto/ZKB)
- Aktuelles Beispiel (Januar 2026):
SOFR: ~3,6%
SARON: ~0%
Zinsdifferenz: ~3,6% pro Jahr
Die Hedging-Kosten schwanken also stark je nach Zinsumfeld. Für langfristige Entscheidungen ist der historische Durchschnitt aussagekräftiger.
Beispiel: Hedging in der Praxis
iShares MSCI World – Zwei Varianten:
| ETF | TER | Zusätzliche Hedging-Kosten | Gesamtkosten |
|---|---|---|---|
| Ungehedged | 0,20% | – | 0,20% |
| Gehedged | 0,55% | ~2,7% * | ~3,25% |
* Historischer Durchschnitt von 1976 – 2022 (Quelle: Swisscanto). Hedging-Kosten schwanken täglich mit der Zinsdifferenz (SOFR – SARON).
Vergleich beider ETFs auf extraetf.com:

In Zeiten, wo der USD gegenüber dem CHF schwächelt (z.B. 2025), fährst du mit dem hedged ETF zwar besser. Über viele Jahre gleichen sich Währungsschwankungen jedoch oft aus, wenn man die Kosten des Hedging berücksichtigt.
Wann lohnt sich Hedging?
Grundsätzlich: Wenn die Kosten des Hedging tiefer ausfallen als der Wertverlust, den du erleiden würdest. Swisscanto hat 46 Jahre (1976-2022) untersucht:
- Durchschnittliche USD-Abwertung gegenüber CHF: 1,5% pro Jahr
- Durchschnittliche Hedging-Kosten: 2,7% pro Jahr
- Ergebnis: Hedging kostete im Schnitt 1,2% pro Jahr mehr als es brachte.
Heisst: Langfristig hätte sich das Hedging nicht gelohnt. Die Studie kommt zum Schluss, dass sich Hedging ab einer Zinsdifferenz von 2-3% nicht mehr lohnt.
Hedging hat trotzdem seine Daseinsberechtigung, unter anderem kann es sinnvoll sein bei:
- Kurzen Anlagezeiträumen (1-5 Jahre)
- Hoher Risikoaversion gegen Währungsschwankungen
- Erwartung einer schwächeren Fremdwährung
Hedging ist hingegen meist unnötig bei:
- Langen Anlagezeiträumen (10+ Jahre)
- Breit diversifizierten Portfolios
- Mehreren Währungen im Portfolio
Warum sich Hedging langfristig oft nicht lohnt
- Währungsschwankungen gleichen sich langfristig oft aus
Währungen neigen dazu, sich über sehr lange Zeiträume wieder ihrem langfristigen Durchschnitt anzunähern (Regression to the mean). Das ist aber kein Naturgesetz – es gibt Phasen, in denen sich Trends über Jahrzehnte halten (z.B. starker Franken gegenüber USD). Trotzdem schwächen sich kurzfristige Ausschläge meist mit der Zeit ab. - Die Kosten reduzieren die Rendite deutlich
2,7% jährliche Hedging-Kosten bei einem USD-Wertverlust von 1,5% bedeuten über 20 Jahre: Bei einem CHF 100’000 Investment hast du am Schluss etwa CHF 60’000 weniger Endvermögen – das sind die historischen Mehrkosten des Hedgings. - Natürliche Diversifikation bei regelmässigen Käufen
Bei regelmässigen Sparplänen kaufst du automatisch zu verschiedenen Wechselkursen – mal günstiger, mal teurer. Über die Zeit glättet sich dieser Effekt von selbst aus (DCA = Dollar-Cost-Averaging Effekt). Bei einem hedged ETF zahlst du hingegen jedes Jahr die Hedging-Kosten, unabhängig davon, ob du laufend kaufst oder einmalig investierst. Der Kostennachteil bleibt bestehen.
Lieber in Schweizer Firmen investieren?
Viele denken: «Wenn ich in CHF investiere, kaufe ich am besten Schweizer Firmen – dann habe ich kein Währungsrisiko.» Das stimmt für den Franken, aber nicht unbedingt für die Rendite.
- Schweizer Firmen sind oft stabil, aber kleiner und weniger wachstumsstark als grosse US-Unternehmen.
- Langfristig haben US-Aktien, selbst bei einem schwachen USD, in vielen Fällen deutlich höhere Renditen gebracht als Schweizer Aktien.
- Wer breit diversifiziert in globale ETFs investiert (z. B. MSCI World), profitiert vom Wachstum grosser internationaler Unternehmen – auch wenn dabei ein Währungsrisiko entsteht.
- Auch Schweizer Firmen machen einen Grossteil ihres Umsatzes in Fremdwährungen (z.B. Nestlé: 1-2% des Umsatzes wird in der Schweiz erzielt, der Rest im Ausland mit Fremdwährungen). Das Währungsrisiko kannst du nie ganz eliminieren.
Beste CHF hedged ETFs gegen USD-Risiko Schweiz
Wenn du trotzdem lieber einen hedged ETF möchtest, musst du zuerst wissen, in welche Firmen du investieren möchtest bzw. welcher Index abgebildet werden soll. Wenn du bei justETF nach hedged ETF suchst, kommen 150 Treffer. Erwähnenswert sind folgende ETFs auf den MSCI World, MSCI ACWI und den S&P 500:
- UBS Core MSCI World Hedged (niedrigere TER als der von iShares)
- UBS MSCI ACWI hCHF und UBS MSCI ACWI Universal hCHF (ESG)
- iShares S&P 500 CHF Hedged
Persönliches Fazit
Das Währungsrisiko existiert, aber für langfristige Anleger ist es meist kleiner als der Renditevorteil globaler Firmen. Hedging kann es reduzieren, kostet aber Geld – oft lohnt es sich langfristig nicht.
Die goldene Regel: Je länger dein Anlagehorizont, desto weniger brauchst du Hedging.
Häufige Fragen zu Währungs-Hedging bei ETFs
Woran erkenne ich einen gehedgten ETF?
Am Namen: ETFs mit «hedged», «CHF hedged», «hCHF» oder manchmal einfach mit einem «H» im Namen sind währungsgesichert. Ungehedgte ETFs haben diese Zusätze nicht.
Warum stehen die wahren Hedging-Kosten nicht in der TER?
Die TER zeigt nur die Verwaltungskosten. Die Kosten für Termingeschäfte (Spreads, Rollkosten, Zinsdifferenzen) entstehen beim Handel. Sie variieren und werden direkt von der Performance abgezogen, ohne separat ausgewiesen zu werden.
Wie hoch sind die echten Hedging-Kosten?
Das Hedging von USD nach CHF kostete in der Vergangenheit im Schnitt 2,7% pro Jahr. In Phasen mit grossen Zinsdifferenzen (z.B. USD/CHF seit 2022) können die Kosten auch 3-4% betragen. In Phasen niederiger Differenzen ist es günstiger.
Ist Hedging bei Schweizer Aktien-ETFs sinnvoll?
Nein, bei Schweizer ETFs gibt es kein Währungsrisiko für CHF-Anleger. Hedging macht nur bei Fremdwährungen (USD, EUR, etc.) Sinn – und auch dort meist nur kurzfristig.
Kann ich von gehedgtem zu ungehedgtem ETF wechseln?
Du kannst jederzeit verkaufen und einen ungehedgten ETF kaufen. Dabei fallen aber Transaktionskosten und eventuell Steuern an. Ein direkter Umtausch ist nicht möglich – du musst immer über Kauf/Verkauf gehen. Besser: Von Anfang an so kaufen, wie es für dich stimmt, und danach dabei bleiben.
Schützt Hedging auch vor Inflation?
Nein, Hedging schützt nur vor Währungsschwankungen. Gegen Inflation hilft langfristig nur das Investieren in reale Werte wie Aktien, nicht die Währungsabsicherung.
Wann macht Hedging Sinn?
Bei sehr kurzen Anlagezeiträumen (1-5 Jahre) oder wenn du eine starke Abwertung einer Fremdwährung befürchtest. Für langfristige Sparpläne (10+ Jahre) sind die Kosten für das Hedging oft höher, als der Währungsverlust wäre.