Veröffentlicht: 21.10.2025
Zuletzt aktualisiert: 16.07.2026
Bei mehr als 10 Jahren bis zur Pension ist ein reines Aktienportfolio meist völlig in Ordnung. Aktien bieten hohe Renditen, bergen aber auch ein höheres Risiko. Je näher die Entnahme rückt, desto sinnvoller kann es deshalb sein, den Aktienanteil schrittweise zu reduzieren und in stabilere Anlagen wie Anleihen oder Gold umzuschichten. So schützt du dein Kapital vor einem Verlust bei einer Börsenkrise kurz vor oder während der Pension.
In diesem Artikel zeige ich, wie das Umschichten mit der Bucket-Strategie kombiniert werden kann. Diese Vorgehensweise eignet sich vor allem für sicherheitsorientierte Anleger:innen, ist aber nicht die einzige Möglichkeit – andere Ansätze behandle ich unter ETF-Entnahme: Welche Strategien gibt es?
Keine Anlageberatung. Dieser Beitrag dient nur der Information und spiegelt meine persönliche Meinung wider.
Warum Umschichten?
Aktien und Aktien-ETFs können hohe Renditen bringen, bergen aber auch höhere Risiken: In Krisenzeiten können die Kurse stark fallen. Dieses Risiko, auch «Sequence-of-Returns-Risiko» genannt, bedeutet: Die Reihenfolge der Renditen ist entscheidend. Ein Crash kurz vor oder zu Beginn der Entnahmephase kann dein Portfolio dauerhaft schwächen, selbst wenn sich die Märkte später erholen.
Umschichten schützt vor hohen Verlusten kurz vor der Pension – du willst nicht gezwungen sein, in einem Börsentief Aktien zu verkaufen, um deinen Lebensunterhalt zu sichern. In einem Crash bist du froh, wenn du stabilere Anlagen wie Anleihen verkaufen kannst. Die Faustregel: Reduziere den Aktienanteil, je näher die Auszahlung rückt – so balancierst du Renditepotenzial und Sicherheit.
Wichtig: Nicht zu früh umschichten! Aktien liefern langfristig meist die höchsten Renditen. Zu früh in stabile Anlagen wie Anleihen zu wechseln, kann Renditechancen unnötig schmälern.
Wie du die Umschichtung angehst
Wann du mit dem Umschichten beginnst und wie hoch der Aktienanteil bleibt, hängt von deinem individuellen Risikoempfinden ab. Als Orientierung kann folgende Staffelung dienen, basierend auf dem verbleibenden Zeitraum bis zur Pension:
| Jahre bis Pension | Aktienanteil | Bemerkung |
|---|---|---|
| 10+ Jahre | 90%-100% | Lange Zeit für Markterholungen nach Crashs. Maximale Renditechancen nutzen. |
| 5-10 Jahre | 70%-90% | Aktienanteil langsam reduzieren. Noch genug Zeit für langfristige Strategien. |
| 1-5 Jahre | 50%-70% | Aktienanteil deutlich reduzieren. Vorbereitung auf die Bucket-Allokation. |
| Pension | 40%-60% | Ziel erreicht: Portfolio in drei Buckets aufteilen (siehe unten) |
Diese Prozentsätze sind Richtwerte. Konservative Anleger können früher und stärker umschichten, risikofreudige später. Plane ein jährliches Rebalancing ein, um deine Zielallokation beizubehalten.
Umschichten ist zudem keine Pflicht. Wer genügend Flexibilität besitzt, seine Ausgaben in schlechten Börsenjahren zu reduzieren, oder andere Einnahmequellen wie AHV oder Pensionskasse hat, braucht möglicherweise deutlich weniger defensive Anlagen und kann durchaus mit einem hohen Aktienanteil in die Pension gehen. Das deckt sich sogar mit historischen Analysen: Die Trinity-Studie, die die 4%-Regel untersuchte, zeigt, dass Portfolios mit hohem Aktienanteil im Schnitt sogar besser abschnitten als anleihenlastige Mischportfolios. Auch wer zum grossen Teil von Dividenden lebt, möchte den Aktienanteil vermutlich nicht reduzieren. Das Umschichten in diesem Artikel ist deshalb eher für alle gedacht, die mehr Sicherheit möchten.
Tipps für die Umschichtung:
- Reduziere den Aktienanteil schrittweise, um Schwankungen abzufedern.
- Bleibe breit diversifiziert: globale Aktien-ETFs plus breit gestreute Anleihen.
- Nutze Anleihen als Hauptpuffer und optional Gold zur weiteren Diversifikation, um Schwankungen in den letzten Jahren vor der Pension abzufedern.
Währungsrisiko berücksichtigen
Während der Ansparphase spielt das Währungsrisiko oft eine untergeordnete Rolle. In der Pension sieht die Situation etwas anders aus: Die meisten Ausgaben fallen in Schweizer Franken an, weshalb sich ein Blick auf die Währungsstruktur deines Portfolios lohnt – insbesondere beim mittelfristigen Bucket, den wir weiter unten vorstellen.
Gleichzeitig spricht langfristig weiterhin vieles für weltweit diversifizierte Aktien-ETFs. Viele internationale Unternehmen erzielen ihre Umsätze rund um den Globus und bieten dadurch eine breite geografische Diversifikation. Wie stark du dein Portfolio auf CHF ausrichtest, hängt letztlich von deinem persönlichen Sicherheitsbedürfnis und deinen geplanten Entnahmen ab.
Nach der Pension: Die drei Buckets
Nach der Pension entnimmst du dein Geld nicht einmalig, sondern schrittweise über mehrere Jahre. Das bedeutet: Selbst nach der Pension können Teile deines Portfolios noch 15+ Jahre investiert bleiben. Ein gewisser Aktienanteil schützt langfristig auch besser vor Inflation als ein reines Anleihen- oder Cash-Portfolio. Viele Investor:innen teilen ihr Portfolio deshalb in drei Töpfe mit unterschiedlichen Zeithorizonten auf. Diese Aufteilung nennt sich auch «Bucket-Strategie» und ist eine bewährte Methode für die Entnahmephase.
| Bucket | für Ausgaben in | Anlageklasse |
|---|---|---|
| 1 (kurzfristig) | 0–3 Jahren | Cash, Sparkonto, Geldmarkt-ETFs |
| 2 (mittelfristig) | 3–10 Jahren | Anleihen, optional Gold zur weiteren Diversifikation |
| 3 (langfristig) | 10+ Jahren | Globale Aktien-ETFs |
Dein langfristiger Topf (Aktien) wird nach und nach in mittelfristige und kurzfristige Anlagen verschoben.
- Für deinen Lebensunterhalt nimmst du laufend Geld aus Bucket 1. Der Zweck von Bucket 1 besteht nicht darin, Rendite zu erzielen, sondern mehrere Jahre Ausgaben unabhängig von der Börse finanzieren zu können.
- Nach starken Börsenphasen füllst du Bucket 1 aus Bucket 3 wieder auf, nach schlechten Börsenphasen aus Bucket 2. Bucket 2 dient also als Puffer für schlechte Börsenphasen.
- Bucket 2 füllst du nach starken Börsenphasen ebenfalls aus Bucket 3 auf, damit du wieder genügend Puffer für schlechtere Phasen hast.
Mit zunehmendem Alter sinkt automatisch dein Aktienanteil, da Bucket 3 schrumpft. Der grosse Vorteil: Du musst nicht in Markttiefs verkaufen, sondern kannst Umschichtungen dynamisch planen. Die Jahre (0-3 / 3-10 / 10+) sind keine feste Regel, sondern nur ein Beispiel, das du für dich anpassen kannst.
Anleihen schwanken zwar deutlich weniger als Aktien, sind aber nicht risikofrei: Steigen die Zinsen schnell an, können auch Anleihenkurse spürbar fallen – 2022 war dafür ein Beispiel, als Aktien und Anleihen gleichzeitig verloren. Wer dieses Risiko reduzieren möchte, kann auf kurz laufende Anleihen setzen: Sie reagieren weniger stark auf Zinsänderungen als Anleihen mit langer Laufzeit. Als Faustregel gilt: Die Erholungszeit nach einem Zinsschock entspricht ungefähr der Duration der Anleihe – bei Kurzläufern sind das oft nur 1-3 Jahre, bei Langläufern kann es auch mal ein Jahrzehnt dauern. Für den mehrjährigen Zeithorizont von Bucket 2 sind Kurzläufer deshalb doppelt sinnvoll: weniger Kursverlust im Ernstfall, und selbst dieser ist innerhalb des Zeithorizonts meist wieder ausgeglichen.
Ein wichtiger, oft übersehener Punkt: Globale Obligationen-ETFs ohne Währungsabsicherung können in Schweizer Franken gerechnet stärker schwanken als CHF-Anleihen. Die Wechselkursbewegungen überlagern dann die eigentlich tiefen Zinsschwankungen. Für den mittelfristigen Topf (Bucket 2) kann sich deshalb ein CHF-gesicherter (hedged) globaler Obligationen-ETF oder direkt CHF-Anleihen lohnen, damit der Topf seine Pufferfunktion tatsächlich erfüllt.
In Tiefzinsphasen bringen CHF-Anleihen kaum Rendite. In dieser Situation kann man sich überlegen, für Bucket 2 statt auf Anleihen eher auf das Sparkonto oder Festgeld zu setzen. Dies gibt zwar ebenfalls kaum Zinsen, dafür eliminiert man das Kursrisiko fast komplett. Bei grösseren Beträgen lohnt sich dabei ein Blick auf die Einlagensicherung (aktuell CHF 100’000 pro Bank und Kunde) – wer deutlich mehr auf einem Konto hält, könnte das Guthaben entsprechend auf mehrere Banken aufteilen.
Schweizer Besonderheiten beachten
Falls du Guthaben in der Säule 3a hast: Diese unterliegen Einschränkungen und können erst ab 5 Jahre vor der Pension (frühestens mit 60) bezogen werden. Überprüfe deine 3a-Strategie ebenfalls regelmässig. Bei den meisten Anbietern kannst du dein Risikoprofil anpassen oder selber umschichten. Die gestaffelte Auszahlung über mehrere Jahre kann zudem Steuern sparen. Dies setzt voraus, dass du verschiedene 3a-Konten hast, da du ein einzelnes Konto nur immer vollständig beziehen kannst.
Fazit
Bevor du dein Portfolio für die Pension vorbereitest, solltest du wissen, wie viel Geld dein ETF-Depot überhaupt liefern muss. AHV, Pensionskasse oder andere Einnahmen reduzieren den Betrag, den du jährlich aus deinem Portfolio entnehmen musst.
Bist du sicherheitsorientiert, schützt dich ein bewusstes Umschichten davor, in einem ungünstigen Moment verkaufen zu müssen, und sorgt für mehr Stabilität in der Entnahmephase. Nutze die Zeit bis dahin, um dein Kapital weiter wachsen zu lassen – und denke daran: Umschichten bedeutet nicht, ganz aus Aktien auszusteigen, sondern dein Portfolio an deine Lebensphase anzupassen.
Mit «Pension» ist in diesem Zusammenhang übrigens einfach der Zeitpunkt gemeint, ab dem du beginnst, regelmässig Geld aus deinem Vermögen zu entnehmen – das kann mit 50 sein, wenn du bereits finanziell unabhängig bist, oder mit 70. Wichtig ist, dass du rechtzeitig planst und dein Risiko schrittweise reduzierst, je näher dieser Zeitpunkt rückt.
Diesen Artikel habe ich bewusst auf die Portfolio-Vorbereitung fokussiert. Einen Überblick über die gesamte Vorbereitung auf die Pension – inklusive aller Entnahmestrategien – findest du in Endlich pensioniert: Vorbereitung und Entnahme.
Häufig gestellte Fragen
Wann sollte ich anfangen, meine Aktienquote vor der Pension zu reduzieren?
Als Faustregel rund 10 Jahre vor der geplanten Pension. Wer bereits durch AHV und Pensionskasse gut abgesichert ist, kann beim Rest seines Vermögens auch länger aggressiver bleiben.
Muss ich mein Portfolio vor der Pension umschichten?
Nein, zwingend ist es nicht. Wer genügend Flexibilität besitzt, seine Ausgaben in schlechten Börsenjahren zu reduzieren, oder andere Einnahmequellen wie AHV oder Pensionskasse hat, braucht möglicherweise deutlich weniger defensive Anlagen – das deckt sich sogar mit der Trinity-Studie, wonach Portfolios mit hohem Aktienanteil im Schnitt besser abschnitten als anleihenlastige Mischportfolios. Das Umschichten in diesem Artikel eignet sich vor allem für alle, die zusätzliche Sicherheit möchten.
Was ist das Sequence-of-Returns-Risiko?
Das Risiko, dass ein Börsencrash kurz vor oder zu Beginn deiner Entnahmephase dein Portfolio dauerhaft schwächt – selbst wenn sich die Märkte später erholen. Deshalb ist die Reihenfolge der Renditen entscheidend, nicht nur die Durchschnittsrendite.
Was ist die Bucket-Strategie?
Eine Aufteilung deines Vermögens in drei «Töpfe» nach Zeithorizont: Cash für 0-3 Jahre, Anleihen (optional mit etwas Gold) für 3-10 Jahre, Aktien-ETFs für 10+ Jahre. So musst du in einem Börsencrash nie Aktien verkaufen.
Brauche ich zwingend Anleihen-ETFs für die Bucket-Strategie?
Nicht zwingend, aber es ist die gängigste Umsetzung. Alternativ kannst du den mittelfristigen Topf auch mit Festgeld, Kassenobligationen oder einer Kombination aus Anleihen und etwas Gold füllen. Wichtig ist nur, dass diese Anlageklasse deutlich weniger schwankt als Aktien, damit sie ihre Pufferfunktion erfüllen kann.